Montag, 10. April 2017

37. Funde in situ Teil 1

in situ (lateinisch für „am Ort“) ist ein Fachbegriff in verschiedenen Bereichen, der z. B. „unmittelbar am Ort“ oder „in der ursprünglichen Position“ bedeuten kann. Das Antonym (Gegensatzwort) ist ex situ.

Archäologie: Ein Fund ist noch in der Originallage, oder ein Objekt ist noch am Ort seiner ehemaligen Nutzung, wurde also nicht z. B. durch geologische Prozesse oder nachträgliche menschliche bzw. tierische Eingriffe verlagert.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/In_situ (zuletzt abgerufen: 10.04.2017)

Schon lange lautet mein Motto: "Die Geschichte liegt auf der Erde. Wir müssen sie nur aufheben." Mit diesen Bildern möchte ich nun zeigen, dass neben den Keramikscherben auch andere Funde manchmal direkt an der Oberfläche liegen.

Ich wünsche allen einen schönen Start in die Woche!

1 Pfennig aus dem Kaiserreich (geprägt zwischen 1874  und 1915)






mittelalterliche Randscherbe





mittelalterliche Wandscherbe

Montag, 27. März 2017

36. Schnalle aus dem Spätmittelalter

 Hoffentlich seid ihr gut in die neue Woche gekommen.

Bei dem "Antesten" eines neuen Feldes südlich von Spellen an der Mehrumer Straße habe ich in den letzten Tagen diese Schnalle gefunden. Sie wird einer Publikation zufolge, die unter Sondengängern gerne zur Datierung von Schnallen herangezogen wird, dem Spätmittelalter (1350-1500) zugeordnet. Eine andere Meinung geht sogar noch weiter und datiert sie in den Zeitraum von 1200 bis 1300. Charakteristisch ist hierbei vor allem das breitere Stück mit den Nietlöchern, welches auf den Ledergürtel genietet wurde. Leider ist nur noch eine der Nieten vorhanden.


Vorderseite

Rückseite

ähnliche Beispiele im "Whitehead"


Quelle: http://www.reenactor.ru/ARH/PDF/Whitehead.pdf S. 20-21 (zuletzt gesehen: 27.03.2017)

Montag, 26. Dezember 2016

35. römische Keramik aus Götterswickerhamm

Die tatsächliche Anzahl der römische Keramik, die sich auf einem Feld zwischen dem "Krähennest" in Götterswickerhamm und der Feuerwehr Löhnen befand, ist tatsächlich sehr gering. Natürlich sind das nur sporadische Funde, die nicht bei einer systematischen Begehung gemacht wurden, also nur eine Stichprobe darstellen, wobei man dazu sogar noch bedenken muss, dass nur die Erdoberfläche untersucht werden konnte.


Links eine Terra Sigillata (Link zu Terra Sigillata) Scherbe, rechts eine Randscherbe

eine Sigillata Scherbe aus der Spätantike, die auch der Anlass war, dass sich die Archäologin sofort für die Funde in die Bearbeitung stürzte, da sie gerade dabei war einen Artikel über die Spätantike am Niederrhein zu schreiben, man erkennt leider auf dem Foto nur schwach die Struktur mit Linien und Punkten

zwei Scherben, die mit Ritzungen verziert sind

Sonntag, 18. Dezember 2016

34. Römische Ziegel, Fundort: Götterswickerhamm

 Sind römische Ziegel am Niederrhein etwas besonderes? Natürlich nicht. Wenn sie rechtsrheinisch liegen aber schon. Ungeachtet der Diskussion, ob das heutige Götterswickerhamm zu Römerzeiten rechts oder links des Rheines lag, muss man doch feststellen, dass zu römischer Zeit dort ein Gebäude in der näheren Umgebung gestanden haben könnte. Leider fehlt mir das Wissen dazu wie sich ein solches Gebäude bildlich vorgestellt werden muss. Ich selber kenne nur die insulae (Link zu insula) aus den römischen Städten, sowie die villa rusticae (Link zu villa rustica) vom Land, welche ich mir aufgrund der Örtlichkeit/Ausmaße so nicht vorstellen kann. Evtl. wurden in der Spätantike/Frühmittelalter die Ziegel aus den römischen Städten dorthin exportiert wie es z.B. mit den römischen Grabsteinen in der katholischen Kirche St. Peter in Spellen passierte, wo ein Grabstein von einem Mädchen aus Köln in der Kirchmauer gefunden wurde, welcher wohl im 12./13. Jhd. "importiert" wurde.

Neben dem Gebäude, welches sich evtl. in der Nähe befand, könnte daher auch ein Gebäude in Götterswickerhamm damit gebaut worden sein, z.B. die dortige Kirche. Leider fehlen mir das Fachwissen, sowie natürlich etwaige Beweise für diese Behauptung.

Unstrittig ist aber, dass auf dem Feld neben den Ziegeln auch Gebrauchskeramik aus römischer Zeit "entsorgt" wurden.


zwei römische Ziegel, die als solche datiert wurden


neu gefundene Ziegel, Datierung steht noch aus

Fragment eines Imbrex? Link zu römischen Dachziegeln

Seitenansicht

Samstag, 10. Dezember 2016

33. Ausbeute einer/s "guten" Fläche/Ackers

Es ist immer wieder eine Definitionsfrage, ob eine Fläche nun viele Funde preisgibt oder nicht. Oft muss man auch die Qualität der Funde selbst bewerten. Wenn ich einen Acker habe, auf dem alle drei Stunden ein römischer Fund zutage kommt, dann gehe ich da lieber hin, als auf ein Feld, wo ich zwar jede Stunde eine Münze finde, diese aber keine 200 Jahre alt ist.

Die Ausbeute dieses Feldes ist für Voerder Verhältnisse, sowohl was die Metall-, als auch die Nichtmetallischen Funde angeht, sehr gut. Es handelt sich hierbei um eine kleine Fläche zwischen der katholischen Kirche St. Peter in Spellen und dem Rheindeich. Als ich diesen Acker vor über einem Jahr mal antestete, fand ich innerhalb von zwei Stunden sechs Münzen. Zugegeben, keine war älter als 200 Jahre, aber es ist bis heute mein persönlicher Rekord. Natürlich kamen dort noch andere Dinge zutage und bis auf mein römisches Feld in Götterswickerhamm liegt dort auch die meiste Keramik, die auch hauptsächlich aus der späten Neuzeit stammt.

Die Funde hier ergaben sich nach ca. vier Stunden Suche, die auf zwei Tage verteilt war. Am Ende war ungefähr 1/3 des Ackers grob abgesucht.

Nachdem ich dort unbemerkterweise ein Fragment eines neolithischen Beiles gefunden hatte, (http://sondeln-niederrhein.blogspot.de/2016/08/32-fragment-einer-neolithischen-beil.html), fanden sich nun erstmals auch Keramikscherben, die zumindest in der beginnenden oder noch vor der römischen Herrschaft am Niederrhein gefertigt wurden.



Niederrheinische Irdenware 18./19. Jhd., evtl. auch 17.

Steinzeug aus den letzten 400-500 Jahren

Pingsdorfer Ware oben rechts (900-1200), mittelalterliche Grau- und Irdenware unten rechts (Hoch- bis Spätmittelalter), spannend unten links: drei Fragmente einer handaufgebaute Ware (also ohne Drehscheibe geformt) aus der Metallzeit

Knöpfe, Münzen, Riemenverteiler vom Pferdegeschirr, Geschosse aus dem 2. Weltkrieg und Mitte bis Ende 19. Jhd., sowie eine Bleiplombe

Sonntag, 6. November 2016

32. Plackerei? Mitnichten. Alltag!

Und doch nicht so ganz. Jeder wird den trockenen Sommer noch in Erinnerung haben. Monatelang kaum Regen, die Landwirte beklagen eine schwache Ernte. Auch für uns Sondengänger hat das Auswirkungen. Dem interessierten Leser wird es wohl aufgefallen sein: in letzter Zeit wurde von mir kein Post mehr veröffentlicht.

Die Ursache lag hierbei vor allem an fehlender Lust, aber auch an dem trockenen Boden. Wenn man die Schippe in den Boden rammt und nach 5cm nur noch die Erde aus dem Loch schaben kann, weil es nich mehr anders geht, ja, dann macht das Sondeln keinen Spaß mehr und dann kommen auch keine Funde mehr zutage. Die einen mögen vllt. sagen, dass man dann einfach mehr Muckis haben sollte, aber das war dieses Jahr wirklich eine Ausnahme. Schade, denn es waren viele Felder, die durchaus interessant gewesen wären und nun schon wieder bestellt sind. Dennoch sind neue Funde hinzugekommen, die ich natürlich auch noch vorstellen werde.




Donnerstag, 18. August 2016

31. Fragment einer neolithischen Beil- oder Dechselklinge

Endlich sollte ein Wunsch über einen Fund in Erfüllung gehen, den ich schon lange hatte und vor ein paar Monaten sogar in der Zeitung geäußert hatte, obwohl ich diesen bereits ein halbes Jahr zuvor gemacht hatte.

Letzte Woche erhielt ich einige meiner Funde von der Begutachtung in Xanten zurück, die z.T. vor genau einem Jahr von mir gemacht wurden. Auf einer der Bestimmungstabellen stand unter anderem die Datierung "Neolithikum". Ich war natürlich überrascht und suchte den Fund in den Tüten. Ich hatte bereits zuvor einen kleinen Feuerstein dorthin gebracht, der möglicherweise auch bearbeitet wurde, aber es handelte sich hier um ein komplett anderes Feld. Sollten sich die Archäologen vertan haben? Nein. Denn als ich das Stück dann sah, konnte ich mich auch erinnern und hatte es eigentlich mehr reflexartig aufgesammelt, denn wirklich an ein Artefakt aus der Steinzeit geglaubt.

Besonders stolz bin ich auf den Fund, auch wenn es sich nur um ein Fragment handelt, da es hierbei um ein Artefakt geht, welches ungefähr in die Zeit 5.500 v. Chr. und 2.000 v. Chr. datiert werden müsste und damit mit deutlichem Abstand mein ältester Fund ist. Außerdem wurde bisher nur ein Artefakt geborgen, was ein ähnliches Alter besaß, denn auch dabei handelte es sich um ein neolithisches Beil, welches östlich des Spellener Bahndammes, zwischen Böskenstraße und Rheinstraße in der Mitte des letzten Jahrhunderts geborgen wurde.

Dieser Fund hier stammt übrigens von einem Feld in Voerde-Spellen, nur wenige hundert Meter westlich der katholischen Kirche.

von oben

von unten

die eine Seite, links die Klinge

die andere Seite, rechts die Klinge

frontal auf die Klinge fotografiert

vollständiges neolithisches Beil (Quelle: steinzeitwissen.de)