Samstag, 10. Dezember 2016

33. Ausbeute einer/s "guten" Fläche/Ackers

Es ist immer wieder eine Definitionsfrage, ob eine Fläche nun viele Funde preisgibt oder nicht. Oft muss man auch die Qualität der Funde selbst bewerten. Wenn ich einen Acker habe, auf dem alle drei Stunden ein römischer Fund zutage kommt, dann gehe ich da lieber hin, als auf ein Feld, wo ich zwar jede Stunde eine Münze finde, diese aber keine 200 Jahre alt ist.

Die Ausbeute dieses Feldes ist für Voerder Verhältnisse, sowohl was die Metall-, als auch die Nichtmetallischen Funde angeht, sehr gut. Es handelt sich hierbei um eine kleine Fläche zwischen der katholischen Kirche St. Peter in Spellen und dem Rheindeich. Als ich diesen Acker vor über einem Jahr mal antestete, fand ich innerhalb von zwei Stunden sechs Münzen. Zugegeben, keine war älter als 200 Jahre, aber es ist bis heute mein persönlicher Rekord. Natürlich kamen dort noch andere Dinge zutage und bis auf mein römisches Feld in Götterswickerhamm liegt dort auch die meiste Keramik, die auch hauptsächlich aus der späten Neuzeit stammt.

Die Funde hier ergaben sich nach ca. vier Stunden Suche, die auf zwei Tage verteilt war. Am Ende war ungefähr 1/3 des Ackers grob abgesucht.

Nachdem ich dort unbemerkterweise ein Fragment eines neolithischen Beiles gefunden hatte, (http://sondeln-niederrhein.blogspot.de/2016/08/32-fragment-einer-neolithischen-beil.html), fanden sich nun erstmals auch Keramikscherben, die zumindest in der beginnenden oder noch vor der römischen Herrschaft am Niederrhein gefertigt wurden.



Niederrheinische Irdenware 18./19. Jhd., evtl. auch 17.

Steinzeug aus den letzten 400-500 Jahren

Pingsdorfer Ware oben rechts (900-1200), mittelalterliche Grau- und Irdenware unten rechts (Hoch- bis Spätmittelalter), spannend unten links: drei Fragmente einer handaufgebaute Ware (also ohne Drehscheibe geformt) aus der Metallzeit

Knöpfe, Münzen, Riemenverteiler vom Pferdegeschirr, Geschosse aus dem 2. Weltkrieg und Mitte bis Ende 19. Jhd., sowie eine Bleiplombe

Sonntag, 6. November 2016

32. Plackerei? Mitnichten. Alltag!

Und doch nicht so ganz. Jeder wird den trockenen Sommer noch in Erinnerung haben. Monatelang kaum Regen, die Landwirte beklagen eine schwache Ernte. Auch für uns Sondengänger hat das Auswirkungen. Dem interessierten Leser wird es wohl aufgefallen sein: in letzter Zeit wurde von mir kein Post mehr veröffentlicht.

Die Ursache lag hierbei vor allem an fehlender Lust, aber auch an dem trockenen Boden. Wenn man die Schippe in den Boden rammt und nach 5cm nur noch die Erde aus dem Loch schaben kann, weil es nich mehr anders geht, ja, dann macht das Sondeln keinen Spaß mehr und dann kommen auch keine Funde mehr zutage. Die einen mögen vllt. sagen, dass man dann einfach mehr Muckis haben sollte, aber das war dieses Jahr wirklich eine Ausnahme. Schade, denn es waren viele Felder, die durchaus interessant gewesen wären und nun schon wieder bestellt sind. Dennoch sind neue Funde hinzugekommen, die ich natürlich auch noch vorstellen werde.




Donnerstag, 18. August 2016

31. Fragment einer neolithischen Beil- oder Dechselklinge

Endlich sollte ein Wunsch über einen Fund in Erfüllung gehen, den ich schon lange hatte und vor ein paar Monaten sogar in der Zeitung geäußert hatte, obwohl ich diesen bereits ein halbes Jahr zuvor gemacht hatte.

Letzte Woche erhielt ich einige meiner Funde von der Begutachtung in Xanten zurück, die z.T. vor genau einem Jahr von mir gemacht wurden. Auf einer der Bestimmungstabellen stand unter anderem die Datierung "Neolithikum". Ich war natürlich überrascht und suchte den Fund in den Tüten. Ich hatte bereits zuvor einen kleinen Feuerstein dorthin gebracht, der möglicherweise auch bearbeitet wurde, aber es handelte sich hier um ein komplett anderes Feld. Sollten sich die Archäologen vertan haben? Nein. Denn als ich das Stück dann sah, konnte ich mich auch erinnern und hatte es eigentlich mehr reflexartig aufgesammelt, denn wirklich an ein Artefakt aus der Steinzeit geglaubt.

Besonders stolz bin ich auf den Fund, auch wenn es sich nur um ein Fragment handelt, da es hierbei um ein Artefakt geht, welches ungefähr in die Zeit 5.500 v. Chr. und 2.000 v. Chr. datiert werden müsste und damit mit deutlichem Abstand mein ältester Fund ist. Außerdem wurde bisher nur ein Artefakt geborgen, was ein ähnliches Alter besaß, denn auch dabei handelte es sich um ein neolithisches Beil, welches östlich des Spellener Bahndammes, zwischen Böskenstraße und Rheinstraße in der Mitte des letzten Jahrhunderts geborgen wurde.

Dieser Fund hier stammt übrigens von einem Feld in Voerde-Spellen, nur wenige hundert Meter westlich der katholischen Kirche.

von oben

von unten

die eine Seite, links die Klinge

die andere Seite, rechts die Klinge

frontal auf die Klinge fotografiert

vollständiges neolithisches Beil (Quelle: steinzeitwissen.de)

Montag, 25. Juli 2016

30. Danke!



Dieses Blog besteht nun schon seit dem 9. April 2015 und am 14. Juli 2016 haben wir die 5.000 Marke geknackt. Mehr als 5.000 Aufrufe in 15 Monaten. Das ist schon eine Menge. Vielen Dank dafür! Aktuell sind es 22,48 Aufrufe pro Tag in diesem Monat.

Die komplette Statistik:

April 2015: 69
Mai 2015: 29
Juni 2015: 187
Juli 2015: 50
August 2015: 170
September 2015: 209
Oktober 2015: 195
November 2015: 407
Dezember 2015: 322

Januar 2016: 315
Februar 2016: 492
März 2016: 860
April 2016: 262
Mai 2016: 580
Juni 2016: 384
Juli 2016 (bisher): 562

Die hohe Zahl im März 2016 lässt sich vor allem dadurch erklären, dass ich einen Artikel in verschiedenen Lokalgruppen bei facebook eingestellt hatte. Man sieht aber auch, dass gerade am Anfang sehr wenige Zugriffe da waren. Interessanterweise sind der Startpost mit 209 Aufrufen und der 10. Post "Wie die Funde auf den Acker kamen" mit 224 Aufrufen die wohl meistgelesensten Posts. Gerade Letzteres hat wohl vor allem damit zu tun, als dass viele Sondengänger im Internet gerade dieser Frage nachgehen, was ich an den Suchbegriffen immer wieder sehen kann. Leider weiß ich nicht, inwiefern meine Theorien für schlüssig gehalten werden, da die Kommentare hierzu fehlen. Über selbige würde ich mich natürlich sehr freuen. :-)

In der Zeit, in der der Blog hier besteht, habe ich nicht nur die meisten und schönsten Funde gemacht, sondern auch viele nette Menschen kennengelernt und durfte auch den einen oder anderen Vortrag zu dieser Thematik halten. Erfreulicherweise verbessert sich auch die allgemeine Beziehung zwischen unserem Hobby und den Archäologen, was die steigenden Genehmigungszahlen und die erste Sondengängertagung vom letzten Jahr deutlich belegen.



Sonntag, 26. Juni 2016

29. Terra Sigillata

Manchmal möchte man meinen in unserem heutigen Stadtgebiet gab es nur Bauern und arme Menschen. Bis auf die wenigen kleinen Adelshäuser mag das auch für das Mittelalter und die Frühe Neuzeit zutreffen, doch das scheint nicht immer so gewesen zu sein. Zwei kleine Keramikscherben, die ich auf dem Römeracker bei Götterswickerhamm (Link: Klick mich) gefunden habe, könnten bezeugen, dass die Leute auch vor 1.500 - 1.800 Jahren schon etwas mehr Geld inne Tasch hatten.

Bei der hier angesprochenen Scherbe (die andere ist wesentlich kleiner und liegt im Moment in Xanten zur Begutachtung) handelt es sich um Terra Sigillata (Link: Klick mich). Dieses Geschirr war im 1. Jahrhundert n. Chr. noch für die gehobenere Bevölkerung "reserviert", da es für das gemeine Volk schlicht zu teuer war. Erst im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. fand es Einzug in das normale Bürgertum. Zunächst tauchte die Ware auch nur bei den römischen Legionären auf, da sie vor allem in Italien hergestellt wurde. Später entstanden auch nördlich der Alpen Werkstätten, in denen man Terra Sigillata produzierte.

Ob die Scherbe nun Teil einer Beute war oder das Gefäß rechtmäßig nach Götterswickerhamm kam, ist nicht belegbar. Es wäre natürlich interessant zu wissen, welchen Status und wie diese Menschen an dieser Stelle gelebt haben.

Bei meinem letzten Besuch in Xanten wurde eine ähnliche Scherbe in die Spätantike datiert. Dies wird bei dieser wohl auch der Fall sein. Möglicherweise gehören beide zum gleichen Gefäß. Ich weiß nur noch nicht, inwiefern die rote Glasur fehlt, die besonders typisch für Terra Sigillata ist. Die Keramik wurde aber in der Spätantike weniger verziert. Während man in den ersten Jahrhunderten nach Christus noch aufwendigere Figuren und Formen auftrug, wurden die Verzierungen in der Spätantike zunehmend "barbarischer". Es folgten einfache Ritzungen und Linien, die das Gefäß zieren sollten. Dies lässt sich auch an der vorliegenden Scherbe feststellen. Man erkennt noch recht deutlich zwei untereinanderliegende Reihen, die sich aus einfachen Ritzungen bilden.

Nachtrag:
Nachdem ich diese Scherbe einem Provinzialarchäologen gezeigt habe, hat er diese spontan in die mittlere Kaiserzeit datiert (um das 2. Jahrhundert n. Chr.). Es wird sich vermutlich um eine Scherbe eines Bechers oder Kruges handeln. Ich werde hier auch noch einmal schreiben, was die zuständigen Archäologen in Xanten sagen werden.


Die Außenseite mit einer durchgehenden Ritzung in einem Zweilinienband.

Die Innenseite

Ein Blick auf die Bruchkante mit der Wölbung

Weiterführende Links:

http://www.novaesium.de/glossar/terra-sigillata.htm
http://www.archaeologie-krefeld.de/leiste/museum/terra.htm

Donnerstag, 9. Juni 2016

28. Feiertag

Während viele Arbeitnehmer erst während der richtigen Sommermonate Pause haben, haben die Sondengänger ab Mitte April ein wenig Ruhe vom Suchen an sich, da ab dann in der Regel alle Äcker bestellt sind. Dennoch war ich an Fronleichnam auf einem Acker, auf dem ich bereits einige römische Artefakte bergen konnte. Es handelte sich dabei allerdings um eine reine Oberflächensuche, also nur Keramikfunde. Das Ergebnis von ca. einer Stunde, dann musste der Bauer spritzen, seht Ihr hier.



Der vorgenommene Abschnitt






Die Ausbeute der einen Stunde ungereinigt
Oben links (und weiter im Uhrzeigersinn) Porzellan, Mittelalterkeramik, Eisenzeit/Germanisch (um die 2000 Jahre), Bauschutt, Feuersteine, Niederrheinische Irdenware, Steinzeug, Pfeifenfragmente

Sonntag, 17. April 2016

27. Gebiss gefunden!

Der rechtmäßige Besitzer möge sich bitte umgehend bei der Polizei melden!

Zu den Fundumständen lässt sich sagen, dass das Gebiss am 21. Februar gegen 15:34 Uhr auf einem Feld bei Mehrum aufgefunden wurde. Zu einem möglichen Tathergang wollte die Polizei bisher keine Auskunft geben.