Donnerstag, 11. Juni 2015

7. Mein erster Fundkomplex

Hier möchte ich nun also meinen ersten Fundkomplex vorstellen, damit der vorige Beitrag nicht zu unübersichtlich wird. Gefunden wurden die einzelnen Stücke in der Nähe des Gymnasiums Voerde auf der Wiese eines Bekannten im Zeitraum Mai/Juni 2013.

Der erste Fundkomplex, der von mir in Xanten vorgelegt wurde

Der erste Fundkomplex, der von mir in Xanten vorgelegt wurde

Oben links ist ein Koppelhaken (s. Bild 6 u. 7).
Daneben befindet sich der Knopf, den ich bereits vorgestellt habe, der um 1900 datiert.
Die beiden Bleiplomben dienten zum Verschließen von Säcken. Es ist angegeben woher diese stammen. Die eine kommt aus der Salzenmühle Solvay, es war also Salz in dem Sack enthalten. Die zweite trägt drei "000". Es spricht für eine sehr gute Qualität von Weizen.
Es folgen zwei Wäscheknöpfe aus einer Bleilegierung.
Daneben liegt eine Art Aluschnalle mit der Aufschrift "DRGM" (Deutsches Reich Gebrauchsmuster), sowie ein Alu Fragment, dass vllt. mal eine Münze war und in geschmolzen ist (man erkennt noch ein paar Buchstaben am oberen Rand) und eine Verzierung aus Blei.
Auch auf diesem Feld wurde im 2. Weltkrieg gekämpft, weshalb dort ein paar deutsche Gewehrhülsen lagen. Unten liegt ein solches Geschoss.

Die Münzen links sind von oben nach unten: 1 Reichspfennig Preußen zwischen 1820 und 1850 (man erkennt nur noch die Krone auf der Rückseite und ein Feld für ein Wappen), darunter zwei 1 und 2 Reichspfennig um 1900. Darunter 3x 50 Reichspfennig und 2x 10 Reichspfennig von 1920-1922. Die letzte müsste ein 10 Reichspfennigstück zwischen 1940 und 1944 sein. Auffällig ist hierbei die, aufgrund von Materialmangel, minderwertige Prägung von Münzen aus Zink, welche sich nicht gut im Boden erhalten.

In der Mitte befindet sich der französische Uniformknopf, den ich bereits vorgestellt habe, sowie ein normaler Trachtenknopf (wohl auch aus dem 19. Jhd.).
Daneben ist ein Wappen mit einem Reichsadler darauf, welches wohl hiervon stammen müsste.
Unter den beiden Knöpfen ist eine Schlitzrose, eine Schnalle vom Pferdegschirr. Es befindet sich hinten eine gestempelte "2" zwischen den Öffnungen.
Darunter ist eine größere Musketenkugel.
Neben der Schlitzrose befindet sich eine Wallfahrtsplakette, wo unten "Trier 1831" steht und ein Gewand darauf abgebildet ist.
Den Fund ganz rechts stelle ich, neben einem Schubladengriff von dort, noch einmal besonders vor.

6. Der Weg zum Glück... Teil 3

Mittlerweile hatte ich also mein "Traumgerät". Ich war sehr zufrieden und das Hobby selbst, machte mir Spaß. Da ich es ordnungsgemäß ausüben wollte, hatte ich mir eine Genehmigung besorgt. Leider blieben die Funde aus. Zugegeben, ich hatte bisher auch nur Suchflächen ausgesucht, wo ich den Besitzer schon kannte und er mir dessen Erlaubnis kaum verweigern könnte. Ich war ein wenig schüchtern könnte man sagen. Es war daher nicht verwunderlich, dass ich das Feld hinter unserem Haus (Besitzer: unser Vermieter) und dem eines Nachbarn (Besitzer: er selbst) absuchte. Doch die niedrige Fundrate war unschön. Also suchte ich eine neue Fläche. Die Felder waren im Mai schon alle bestellt, also blieb nur eine Wiese. Ich erinnerte mich, dass der Opa eines Freundes eine große hat, die noch zwei Jahre zuvor Ackerfläche war. Also schnell auf den Plan der Genehmigung geschaut und siehe da, sie war genehmigt. Ich also dort angefragt und bekam natürlich ein "Ja!". Sie kannten mich sowieso schon recht gut, gingen mein Freund und ich dort doch immer ein und aus.

Zu diesem Zeitpunkt suchte ich also immer auf gut Glück los. Recherchieren tat ich damals noch nicht. Ich hatte ja keine Ahnung, dass man auf manchen Flächen kaum etwas findet, sah ich doch immer die sehr fundreichen Bilder im Internet-Forum. Hätte ich das damals gemacht, wäre ich aber trotzdem auf der Wiese mal suchen gegangen, aber dazu später mehr.

Vor zwei Jahren habe ich die Flächen immer planmäßig abgesucht. Das heißt, ich bin die Felder Zentimeter für Zentimeter abgegangen. So habe ich das auch bei dieser Wiese gemacht. Sie liegt in der Nähe des Gymnasiums und einen Fund davon, habe ich ja schon hier (Link: Klick mich) vorgestellt.

Ich fing also direkt neben der wenig befahrenen Straße an. Die ersten Funde waren absoluter Müll. Natürlich kamen Aluverpackungen und Dosenteile zum Vorschein. Doch auch ein schöner patinierter Knopf aus einer Kupfer-Legierung kam mir unter die Spule. Ich war hin und weg. Mein erster Knopf. Und auch noch so schön grün. Natürlich ist er nicht sehr alt, womöglich keine 100 Jahre alt. Aber er gefiel mir doch sehr gut. Nach einiger Zeit kam dann auch noch ein 50 Pfennig Stück dazu. So eines hatte ich ja schon einmal gefunden. Geprägt wurden diese Münzen in einer Zeit, in der die wachsende Inflation sie quasi wertlos machte. Gemeint ist hierbei aber noch nicht die Hyperinflation von 1923, wo man sich die 100-Millionen-Mark-Scheine an die Wand tapezieren konnte, nachdem sie sowieso nichts mehr wert waren. Insofern scheint es nicht verwunderlich, dass man diese Münzen quasi als eine Art "Opfer" in den Acker werfe, auf dass er eine gute Ernte bringe. Zumal auf der Rückseite der Spruch "Sich regen bringt Segen" mit einer Ähre Korn abgebildet ist. Nach diesem kleinen Teil des Feldes von 15x15m wurde das Feld breiter und stieg um keinen halben Meter an. Die Folge waren interessanterweise mehrere Münzfunde, sowie einiger interessanter Alltagsgegenstände. Auch wenn das Bergen der Funde Spaß bereitete, so war es nicht beim Graben der Fall. Dadurch das die Erde schon lange keinen Pflug mehr gesehen und es Ende Mai/Anfang Juni seit Wochen nicht mehr geregnet hatte, konnte man nur wenige Zentimeter den Spaten in den Erdboden stecken und musste danach im Loch mehr oder weniger mit der Schaufel die Erde "abschaben". Doch der Fleiß lohnte sich und vor allem im ersten Drittel des breiter gewordenen Feldes, fanden sich viele interessante und vor allem auch schöne Funde.

Für den Archäologen in Xanten waren nur zwei Funde relevant. Diese werde ich in der nächsten Zeit noch einmal besonders vorstellen.

Der Müll vom Wegesrand

50 Reichspfennig 1921 und ein Knopf aus diesem Zeitraum

50 Reichspfennig 1921 und ein Knopf aus diesem Zeitraum

Der erste Fundkomplex, der von mir in Xanten vorgelegt wurde

Der erste Fundkomplex, der von mir in Xanten vorgelegt wurde
 
Schubladengriff und Messbecher

Schubladengriff und Messbecher

Schubladengriff und Messbecher

5. Der Weg zum Glück... Teil 2

Die nächsten Jahre lag das Projekt "Sondeln" aufgrund der finanziellen Lage auf Eis. Bis zu meinem 19. Geburtstag 2013.

Der 1. Metalldetektor

Mein Vater hatte doch tatsächlich eine große grüne "Truhe" ersteigert, in welcher sich ein Detektor der Marke Ebinger befand. Quasi ein Minensuchgerät der britischen Armee, aber mit einer super Kleinteileempfindlichkeit. Meine Begeisterung wie sie noch 2010 und 2011 für solch ein Hobby vorhanden war, war zu dem Zeitpunkt auf dem Nullpunkt angelangt. Ich hatte nicht mehr zu träumen gewagt, jemals ein solches Gerät benutzen, geschweige denn besitzen zu dürfen. Natürlich dankte ich meinem Vater artig. So tut man das ja. Als es dunkel wurde haben wir es dann auch mal ausprobiert. Das geschah schnell, denn es war Winter. Wir also das Gerät im Garten angemacht. Mein Vater sondelte ein bisschen herum und wir bekamen auch ein paar Signale. Plötzlich spürte ich dieses "Fieber". Ein großes Verlangen die Erde mit einem Spaten beiseite zu schaufeln und dem Boden seine Geheimnisse zu entlocken. Das verschoben wir aber auf einen anderen Tag, weil wir ja nichts sahen. Ich konnte natürlich nicht so lange warten. Direkt am nächsten Tag ging ich auf den hinten angrenzenden Acker, der nicht bestellt war. Es war schön matschig und kalt. Also perfekte Rahmenbedingungen um das Hobby nun endlich für sich zu entdecken. Mit einem Spaten bewaffnet ging es raus. Mit bloßen Händen suchte ich in dem Haufen Matsch (mit meinen normalen Schuhen und normaler Kleidung, die danach natürlich aussah wie Sau) nach dem metallenen Gegenstand: ein leicht angerosteter Nagel. Der Wahnsinn! Sofort ging es weiter, alle paar Zentimeter kam der nächste Fund zutage: Granatsplitter und Nägel. Nun war ich endgültig gepackt. Selbst Freistunden während der Schulzeit nutzte ich dazu um schnell nach Hause zu laufen und das Gerät für eine halbe Stunde anzumachen. Man mag jetzt vielleicht denken: "Ist der eigentlich noch zu retten?!" So sieht aber die Realität aus, wenn Männer wieder zu Kindern werden und das Adrenalin in ihrem Körper spüren.

Am Geburtstag selber, erzählte mir mein Vater, dass er sich auch über eine Nachforschungsgenehmigung mittels Metallsonde beim dafür zuständigen Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland informiert hatte. In einem Ausdruck des Verbandes wurden die Pflichten und Ziele erläutert, welche eine Fundabgabe beinhalteten. Ich war davon nicht sonderlich angetan, wollte das Hobby aber legal ausleben. Es wurde daher ein Termin am Ende des Februars vereinbart. Ich war schon ein wenig aufgeregt und unsicher, doch nach einer kleinen Belehrung, dass man nur auf umgebrochenem Land, also Acker, suchen dürfte und die Funde nur zur wissenschaftlichen Begutachtung für max. sechs Monate dort verbleiben, sollte kein archäologisch wertvoller Fund darunter sein, war ich recht entspannt. Als Suchgebiet entschied ich mich für die Umgebung um Spellen, da ich mir vor allem vom Spellener Bahnhof etwas versprach, was natürlich eine vollkommene Fehlentscheidung war. Das Suchgebiet direkt um Spellen sollte sich aber als weitaus interessanter erweisen.

Doch die Begeisterung verblasste nach ein, zwei Monaten durch ausbleibende Funde. Ich erkannte warum viele in den Foren von einem Diskriminator sprachen. Einer Funktion, die es erlaubt Metalle mit geringem Leitwert, also hauptsächlich kleine Eisenteile wie Nägel, auszublenden. Sie werden gar nicht erst angezeigt., was eine menge Buddelei erspart. Ich überredete daher meine Mutter einen Teil meines Kindergeldes doch in ein neues Gerät zu investieren, was selbst bei einem Verkauf, sollte mir das Hobby wegen des ausbleibenden Erfolges doch nicht gefallen, kaum Wertverlust haben würde. Als Grundkapital sollte das bereits vorhandene Gerät sein. Die Wahl fiel natürlich auf meinen Favoriten, den ich bereits Jahre zuvor als geeignet empfand, denn noch immer war mein Drang nach Phaleristika nicht gesunken.

Die Eisenfunde mit dem 1. Gerät, nach zwei Jahren ist die Rostschicht z.T. schon abgeplatzt. Es handelt sich nur um Granatsplitter.

Ich bestellte also dieses neue Gerät, natürlich im Geheimen, damit mein Vater nicht so gekränkt würde. Als es endlich ankam, versteckte ich es schnell in meinem Schrank, brachte es aber nicht über mich es geheim zu halten und sprach mit meinem Vater darüber. Ich wollte ihm das Gefühl geben mir doch das richtige geschenkt zu haben. Er schien meine Beweggründe verstanden zu haben, auch wenn er mit meiner Mutter doch noch einmal ein ernstes Wort sprach und er sichtlich enttäuscht gewesen sein musste.

Links die anfänglich noch sorgsam gesäuberten Splitter, rechts die Keksdose mit 4kg ungereinigter Splitter aus den letzten zwei Jahren. Die meisten hiervon sind aber nur so groß wie ein 50 Cent Stück.

Nun ging es also zum Testen des neuen Gerätes auf die Wiese meines Nachbarn. Er selbst lebt in einem älteren Bauernhaus und die Wiese dahinter war früher ein Acker.  Die ersten Funde waren nun nicht mehr nur rostige Nägel, sondern vielmehr aus Buntmetall. Splitter vom Führungsring einer Granate. Diese habe ich noch heute. Früher als Hinterlassenschaften des Krieges empfand ich sie als durchaus interessant und habe jedes einzeln abgewaschen. Heute kommen sie direkt in einen Eimer für den Schrotthändler. Nach hoffnungslosen Stunden empfand ich wieder so etwas wie Resignation. Ich sah die Münzfunde im Forum und konnte nach ca. 20 Suchstunden noch keine einzige vorweisen. Das Vertrauen in das Gerät sank. Ob es überhaupt Münzen finden konnte? Ein Leistungsdruck überkam mich, wollte ich doch in Xanten zumindest eine Handvoll interessanter Funde vorlegen. Doch ehe man sichs versieht, beschert einem der "Sondelgott" (wie viele das Glück mit einem fetten Augenzwinkern nennen) 50 Reichspfennig von 1920. Ich war unglaublich froh und erleichtert. Das Gerät konnte also doch Münzen finden. Noch am gleichen Tag fand ich eine Musketenkugel. Diese musste schon über 150 Jahre dort liegen. Es war ein toller Sommertag und die Plackerei in der Mittagshitze hatte sich bezahlt gemacht.

Links meine 1. Münze und rechts die Musketenkugel. Durch die Münze ragt ein Stück Eisen, vermutlich durch einen Granatsplitter.

Es sollte daher nicht mehr lange dauern, bis ich meinen ersten echten Fundkomplex in Xanten vorlegen konnte.

Mittwoch, 10. Juni 2015

4. Der Weg zum Glück... Teil 1

...oder wie ich den Weg zu einem der tollsten Hobbys überhaupt gefunden habe.

Mein Interesse an Geschichte war schon immer gegeben. Bereits als Kind habe ich mir diese kleinen Büchlein angesehen, wo man mittels Zurückschieben einer Plastikfolie in das Innere von Gebäuden wie Pyramiden sehen konnte. Die Dinosaurier durften natürlich auch nicht fehlen. Ausgegraben wurden diese von Archäologen wie ich in den Büchern immer wieder las. Toll, dachte ich. Die buddeln im Sand und werden auch noch dafür bezahlt. Es wurde zu meinem Traumberuf in der Kindheit.

Es vergingen einige Jahre bis ich mit 16 Jahren langsam wieder daran anknüpfen sollte. Ich interessierte mich schon ein paar Jahre besonders für den 2. Weltkrieg, sodass es nicht verwunderlich ist, dass ich mich zu den verschiedensten Schlachten auf Wikipedia informieren wollte. Oben rechts am Rand stehen immer ein paar kurze Informationen zu diesen Ereignissen, so auch die Befehlshaber. Als ich darauf klickte und mir die Artikel immer anschaute, sah ich unten oft eine extra Gliederung mit den Orden und Ehrenzeichen, die diese Offiziere erhalten haben. Bei den meisten tauchte logischerweise das Eiserne Kreuz auf. Vom Namen her war es mir natürlich ein Begriff und auch wie dieses aussah. Ich dachte mir: "Hey, das gefällt dir irgendwie. Schau doch mal bei ebay nach, ob man das nicht kaufen kann!" In dem Artikel stand nämlich, dass im 1. Weltkrieg alleine ca. fünf Millionen Eiserner Kreuze 2. Klasse verliehen wurden. Irgendwie musste doch eines aufzutreiben sein. Ich suchte also nicht lange, weil diese in großen Mengen veräußert werden. Ich entdeckte dabei auch Unterschiede wie verschiedene Herstellermarkierungen. Auch sehr neu aussehende waren darunter. Natürlich gab es auch da schon Replika, die dem ahnungslosen Sammler untergejubelt werden sollten.

Mein 1. Eisernes Kreuz überhaupt.

Ich meldete mich daher, weil ich durch die z.T. recht überzeugenden Replika verunsichert war, in einem Forum an, das für Militariasammler eingerichtet wurde. Dort wurde auch nach solchen Dingen mittels Metalldetektor gesucht. Ich war dafür sofort begeistert. Für mich als Schüler mit einem Taschengeld von 20€ und einem Kostenpunkt bei einem gut erhaltenen Eisernen Kreuz 2. Klasse aus dem 1. Weltkrieg (von denen aus dem 2. Weltkrieg will ich gar nicht erst anfangen, geschweige denn welche aus dem 19. Jahrhundert) von 30-40€ natürlich ein weiterer Anreiz neben meinem schon damals vorhandenen "archäologischen" Interesse.

Natürlich war ein solcher Detektor finanziell erst recht nicht zu stemmen. Gute Geräte gibt auch heute noch erst ab 180€. Mein Favorit, den ich mir dann drei Jahre später zulegen konnte, kostete 450€. Dieser war nicht so sehr auf Kleinteile ausgelegt, sondern vor allem auf die Militariasuche, welche ich bis dahin auch favorisierte. Natürlich ist dieses Gerät auch sehr gut für die Suche nach Kleinteilen wie Münzen und Knöpfe geeignet. Aber ich schweife ab. Ich gelangte nach kurzer Zeit in ein "normales" Detektorforum, da im vorherigen auch viele aus den neuen Bundesländern kamen und etwas "braun" waren.

Ich fand also in ein Forum, welches nicht nur auf Militaria aus dem 2. Weltkrieg ausgelegt war. Noch heute gibt es dort Fraktionen, die bspw. nur nach Militaria aus den Koalitionskriegen oder aus dem Dreißigjährigen Krieg suchen, dabei vor allem Kanonenkugeln oder Teile von Musketen, oder auch speziell nach den Hinterlassenschaften der Römer suchen oder mittelalterliche Wüstungen begehen. Ich lernte also schnell dieses doch recht breit gefächerte Spektrum an Themen kennen, welches vorher doch recht stark eingeschränkt war.

 Doch es sollte noch eine lange Zeit ins Land gehen, bis ich endlich selber loslegen konnte...

Samstag, 23. Mai 2015

3. Französische Knöpfe am Niederrhein Teil 2



Ein Teil des Planes vom Truppenübungsplatz Friedrichsfeld mit dem eingezeichneten "Altes Kgf. Lager" (unter dem Wort "Neue" von "Neue Hünxer Strasse")

Doch wie gelangten diese Knöpfe nun zu uns? Gefunden wurden sie beide 2013 in der Nähe des Gymnasiums Voerde. Wenn wir uns nun eine Karte vom Truppenübungsplatz Friedrichsfeld aus dem Jahre 1913 anschauen, erkennen wir das alte Kriegsgefangenenlager südlich der Neuen Hünxer Straße und leicht nordwestlich des Tannenhügels. Dort wo die fünf schwarzen Kästchen in einer Reihe abgebildet sind - die Baracken. Da die Karte vor dem 1. Weltkrieg angefertigt wurde, wird wohl das Lager von 1870/1871 gemeint sein. Es könnte aber auch nachträglich eingezeichnet worden sein, weil an gleicher Stelle die ersten Baracken des Lager aus dem 1. Weltkrieg gestanden haben. Als möglicher zentraler Unterbringungsort für die vielen Gefangenen kämen deshalb nur noch die Garnisonsstadt Wesel oder ein Zeltlager infrage. Dennoch muss es ein Lager gegeben haben, denn Willi Dittgen schreibt im "Heimatkalender Dinslaken" von 1962 folgendes:

"In den Schlachten im August und September wurden zahlreiche Gefangene gemacht, die z.T. nach Wesel kamen. Sie waren in ihren Zelten auf der Römerward und auf der Büdericher Insel untergebracht. Da sich nun der Krieg in den Winter hineinzog, mußte man für andere Unterkunft sorgen. Der Bürgermeister von der Mark verkaufte sein Gut Friedrichsfeld für 15 000 Thaler an den Staat und hier entstand dann in sechs Wochen ein Barackenlager. 1500 Handwerker waren aufgeboten, die Bauern mußten Spanndienste leisten zur Heranschaffung des Baumaterials. Für die Unterbringung von 10 000 Gefangenen baute man 24 Mannschaftsbaracken, von denen jede 92 Mann faßte, ferner 2 Küchen, 25 Offiziersbaracken, 8 Ställe für je 92 Pferde, 1 Arresthaus und ein Offizierskasino. Die Kosten beliefen sich auf 250 000 Thaler. Die Aufsicht über das Lager hatte ein Militärinspektor. Am 10. September 1870 wurde das Lager von den Gefangenen belegt, die dort bis zum 11. Juli 1871 verblieben. Es starben in dieser Zeit 248 Franzosen an Pocken und Ruhr. An sie erinnert noch heute ein Denkmal auf dem Franzosenfriedhof an der Alten Straße.
Die Bewachung des Lagers wurde von etwa 800 Landwehrmännern aus Essen-Gräfrath und vom schlesischen Landwehrbataillon 46 übernommen. Ausreißer, die in der Bürgermeisterei Gahlen die Lippe überschreiten wollten, um die holländische Grenze zu erreichen, wurden von Ulanenpatrouillen öfter aufgebracht. Im allgemeinen waren die gefangenen mit Verpflegung und Unterkunft zufrieden und übernahmen z.T. freiwillig eine Arbeit. So haben sie die Sandberge bei Schulte-Vorst in Lippedorf teilweise planiert.
Eine traurige Erinnerung hat die Bürgermeisterei Götterswickerhamm an dieses Gefangenenlager. Die Bauern kauften nach Abzug der Franzosen das Lagerstroh und holten sich damit die Ruhr ins Haus, an der in kurzer Zeit fast 400 Menschen starben."
So steht es in einem Text, der 90 Jahre später verfasst wurde. Leider gibt es nicht viel Quellenmaterial aus dieser Zeit, da das Geheime Staatsarchiv preußischer Kulturbesitz im 2. Weltkrieg durch Bomben großteils zerstört wurde.
Eingesetzt wurden die Gefangenen hauptsächlich bei der Feldarbeit, sodass bei selbiger automatisch Dinge verloren wurden. Nummerknöpfe waren zwar beliebte Souvenirs bei ihren Gegnern, jedoch schließe ich diesen Umstand durch die bereits oben genannten Umstände mit dem sich hier in der Gegend befundenen Lager aus.

Samstag, 11. April 2015

2. Französische Knöpfe am Niederrhein Teil 1

Starten möchte ich mit etwas, dass für den Sondengänger ein häufiger Fund ist. Der Knopf. Er löste bereits im späten Mittelalter die Fibeln als Verschlussmöglichkeit von Kleidung ab, sodass er in der Neuzeit wohl zu den wichtigsten Accessoires von Kleidung gehört. Es gab sowohl Knöpfe, die für trad. Festlichkeiten hergestellt wurden, also für Trachten dienten, die die Zunftzugehörigkeit anzeigten, als auch der Bevölkerung mitteilten, ob man reich oder arm war.
Heute möchte ich zwei Knöpfe vorstellen, die nicht nur die Armee des Landes anzeigten, also ob man nun für Deutschland oder Russland kämpfte, sondern auch welchem Truppenteil sie zuzuordnen sind.

Die beiden französischen Knöpfe aus dem Deutsch-Französischen-Krieg

Beide hier vorgestellten Knöpfe stammen aus der Zeit des Deutsch-Französischen-Krieges von 1870/1871. Bei dem Linken handelt es sich vermutlich um einen Knopf, der ursprünglich an einer Gardeuniform befestigt war. Signifikantes Merkmal bei der Bestimmung ist dabei vor allem der Kopf des Adlers, welcher aus Sicht des Betrachters nach rechts geneigt ist. Sämtliche deutsche Adler schauen normalerweise in die entgegengesetzte Richtung. Die einzige Ausnahme wären wohl die preußischen Knöpfe aus der Zeit der Befreiungskriege mehr als 50 zuvor. Dabei gucken diese aber nach rechts oben.
Knopf mit preußischem Adler
Der französische Adler hält in seinen Klauen zwei Blitze.. Es muss wohl noch eine Umschrift geben, welche aber zu stark verwittert ist, um sie noch lesen zu können. Der Knopf weist einen ungefähren Durchmesser von 23mm auf.
Bei dem anderen Knopf handelt es sich um einen sogenannten Nummernknopf. Die Zahl in der Mitte verweist auf das zugehörige Infanterie-Regiment. Diese Knöpfe wurden bereits unter Napoleon I. gefertigt, waren aber, im Gegensatz zu dem hier vorliegenden, platt, wogegen dieser halbkugelförmig gefertigt ist. Sie sind aufgrund ihrer sehr guten Bestimmbarkeit ein beliebtes Sammelobjekt, sodass viele Sondengänger auf Schlachten der Koalitionskriege suchen, um diese Knöpfe und auch Kanonenkugeln zu finden. Die hier vorliegenden Knöpfe erfreuen sich dabei aber weniger Beliebtheit, obwohl sie durch den kurzen Zeitraum und den wenigen bis gar nicht vorhandenen Schlachten in Deutschland, nicht allzu häufig gefunden werden.

Die Rückseiten der beiden französischen Knöpfe

Die Innenschrift des französischen Nummernknopfes mit Hersteller

Die Innenschrift des französischen Nummernknopfes mit Hersteller

Spätestens bei den Rückseiten dürfte auffallen, dass sie sich von deutschen Knöpfen durch die Befestigung unterscheiden. Wir haben es hier mit einer Kreuzöse zu tun, die zu der Zeit bereits nicht mehr bei allen französischen Knöpfen Verwendung fanden. Auf dem Nummernknopf steht zudem der Hersteller, Ort und das Herstellungsjahr, wobei ich das Gründungsjahr der Manufaktur für wahrscheinlicher halte: "Robert Bepaete S.G.D.G. Lyon 1863"
Gekämpft hat das Regiment unter anderem wohl in einer der wichtigsten Schlachten des Krieges, an der Belagerung von Metz. Nach zwei Monaten Belagerung kapitulierten die französischen Streitkräfte in der von Hunger geplagten Stadt und ergaben sich den preußischen Truppen unter Prinz Friedrich Karl von Preußen. Über 150.000 Gefangene wurden gemacht, was bis zum Zweiten Weltkrieg nie wieder bei einer Kesselschlacht erreicht wurde.

Die Frage, die sich einem nun stellt, wie kamen diese Knöpfe, bzw. auch die Soldaten hierher, da hier in der Gegend keine Schlachten stattgefunden haben? Beantworten werde ich das in Teil 2.

Donnerstag, 9. April 2015

1. Hier sind Sie richtig, wenn Sie sich für die Geschichte des Niederrheines, besonders der Stadt Voerde interessieren.

In den vergangenen rund 150 Jahren haben wir durch archäologische Funde gelernt, dass schon lange vor dem Mittelalter Menschen im Gebiet der heutigen Stadt Voerde lebten. Erinnern möchte ich hierbei an die römischen Bronzeeimer, sowie das Soldatengrab eines wohl germanischen Offiziers von Mehrum. Auch in Spellen wurde bei dem Neuaufbau der katholischen Kirche ein römischer Grabstein entdeckt, der wohl beim Bau dort verarbeitet wurde. Ein germanisches Grubenhaus aus dem 2. Jahrhundert wurde Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts auf der Heidesiedlung in Friedrichsfeld entdeckt. In Voerde befindet sich ein Gräberfeld aus der merowingischen Zeit, aus dem 6. bis 8. Jahrhundert.

In Zeiten finanzieller Not der Länder kommt die Archäologie zu kurz. Mittlerweile können nur noch Notbergungen gemacht werden, weil für mehr kein Geld zur Verfügung steht. Es wird daher immer wichtiger mit ehrenamtlichen Bondenkmalpflegern und Sondengängern zusammenzuarbeiten, bzw. ihnen die Möglichkeit zu geben ihre Funde auf bisher nicht relevanten Flächen zu melden und ggf. abzugeben. Einer dieser Sondengänger bin ich.

In diesem Blog möchte ich daher auf Funde eingehen, die ich mit einem Metalldetektor und meinen Augen bei Feldbegehungen gemacht habe. Beschränken werde ich mich dabei größtenteils auf die Ortsteile westlich der Frankfurter Straße in Voerde, aber auch Friedrichsfeld soll nicht zu kurz kommen. Vielleicht wird auch mal was aus Lippedorf hier erscheinen oder aus anderen Teilen der Stadt Voerde, bzw. vom Niederrhein.

Bei vielen meiner Sondengänge habe ich festgestellt, dass die Bevölkerung ein unglaubliches Interesse an dem Thema Geschichte und Archäologie besitzt. Meine Funde sollen daher diesen Durst nach Wissen ein klein wenig stillen. Zumindest soll das mein Ziel mit diesem Blog sein.